Kirchenrundgang Zeilitzheim

Pfarrkirche St. Sigismund

Kirche Zeilitzheim (Foto: Alexander von Halem)Die Pfarrkirche St. Sigismund, umrahmt von historischen Kirchgaden, wurde im 15. Jahrhundert errichtet. Nur der achtseitige Spitzhelm auf dem auffallend hohen Kirchturm wurde erst 200 Jahre später aufgesetzt. Wenn Sie die Pfarrkirche durch die alte, mit schmiedeisernen Ornamenten verzierte Kirchentür betreten, fällt Ihr Blick auf das Kreuz im Altarraum mit dem lebengroßen Jesus Christus daran, ein Werk des Bilhauers Karl Hemmeter, das 1942 erworben wurde. Die steinerne Kanzel aus dem frühen 16. Jahrhundert wird überdacht durch einen hölzernen Kanzeldeckel, auf dem ein altes christliches Symbol dargestellt ist: Der Pelikan, der sich für das Leben seiner Jungen opfert. Rechts vom Chorbogen führt eine Tür in einen unter dem Altarraum gelegenen kryptenähnlichen Raum. Es spricht viel dafür, dass es sich dabei um eine alte Kapelle handelt, die belassen wurde, als später die jetzige Pfarrkirche darüber gebaut wurde. Aus Sicherheitsgründen ist der Raum für die Öffentlichkeit allerdings nicht zugänglich.

Noch im 13. Jh. war Zeilitzheim ein Teil der Urpfarrei von Herlheim im Volkfeldgau. Schon seit der Zeit des karolingischen Hausmeiers Karlmann (768 n. Chr.) besaß diese eine königliche Eigenkirche zu Ehren Johannes des Täufers. Nachdem Zeilitzheim 1328 durch Bischof Wolfram v. Grumbach zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde, entwickelte sich die junge Kirchengemeinde und errichtete eine erste Kapelle. Die heutige Pfarrkirche geht in ihrem baulichen Bestand ins frühe 15. Jh. zurück. Eine Urkunde im Turmknopf berichtet von der Vollendung des Turmes 1451. Der achteckige Spitzhelm mit seinen vier Uhren wurde 1653 aufgesetzt. Je eine Sonnenuhr befand sich auf der West- und Südseite. Ihre Zeigerstäbe haben sich erhalten. Das Turmuntergeschoss birgt den rippenkreuzgewölbten Chor, der fünf Stufen höher als das Langhaus liegt und von diesem durch einen gotischen Bogen getrennt wird. Unter ihm befindet sich ein kryptenähnlicher Raum, welcher kaum als Ossarium (Beinhaus) diente. Er ist durch eine Treppe im westlichen Chorbogengewände zugänglich. Das gotische Fensterfragment, das in einer Kirchengade eingemauert ist, stammt von der Vorläuferkapelle der heutigen Kirche. Eine Besonderheit ist das trapezförmig angelegte Langhaus. Im 17. Jh. wurde die Holzdecke u. Empore eingebaut. Die Kassettenfelder der Decke entstanden nach 1700 und sind mit Bildern der Jünger Jesu und Aposteln bemalt. Barockes Rankenwerk und Muscheln umrahmen in mehreren Feldern der Decke das Abbild der Dreifaltigkeit. Die gemauerte Kanzel entstand im frühen 16. Jh.

Kirche Zeilitzheim (Foto: Alexander von Halem)Der Taufstein trägt die Jahreszahl 1743. Das Rokoko – Orgelgehäuse entstand dann 1747. Die spätgotischen Blattbeschläge auf dem Westportal sind bedeutsam. Reste des alten Friedhofes, der bis 1608 um die Kirche herum angelegt war, haben sich erhalten. Im obersten Stockwerk des Turmes befindet sich die Glockenstube mit ihren vier Glocken. Die kleinste ist den vier Evangelisten geweiht. Sie stammt aus dem Jahre 1319 und ist eine der ältesten Glocken der Umgebung. Sie diente früher auch als „Rathaus- oder Gemeindeglocke“ und hängt hier seit dem 01.06.1824. Vorher befand sie sich auf dem 1704 erbauten Gemeindeturm als Eingangsbefestigung der Kirchenburg, welcher 1824 wieder abgerissen wurde. 1909 sollte die Kirche im Baustil der späten Hochgotik umgebaut werden. 1914 wurde eine neuerliche Umgestaltung, jetzt in barocker Bauweise geplant. Eine Erweiterung des Langhauses nach Westen mit dem gesamten Abriss des ehem. Schulhauses und einer angrenzenden Gade sowie einem südlichen Kuppelbau kam nicht zur Ausführung. Ein weiterer Sakristeianbau an der Nordseite des Kirchturmes konnte wegen des beginnenden ersten Weltkrieges nicht mehr verwirklicht werden.

Eine weitere Besonderheit stellt die Namensgebung von St. Sigismund dar. Obwohl meist der Kirchenheilige mit dem Patronatstag und der Kirchweih übereinstimmt, ist die hiesige Pfarrkirche St. Sigismund geweiht, die Kirchweih jedoch wird im Juni am Festtag Johannes des Täufers (Johannis) gehalten. Im Hauptgang des Kirchenschiffes ruhen mehrere Mitglieder aus dem Geschlecht der reichsfreien Adelsfamilie der Butlar (1684), ein reicher Kaufmann aus Frankfurt (1714), der Sohn des Amtsvogten (1718) und der Sohn Argula v. Grumbachs, der 1543 im Glaubensstreit auf dem Kirchberg bei Volkach erstochen wurde. 1980/83 wurden Kirchenschiff und Turm renoviert.

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Evangelisches Pfarrhaus – Pfarrhof

Hans Weiss war 1423 der erste urkundlich erwähnte Pfarrer von Zeilitzheim. Seit dieser Zeit lösten sich die Adelsgeschlechter derer v. Grumbach, der Fuchs von Bimbach, derer v. Wolfsthal und der Grafen v. Schönborn als Patronatsherrn mit ihrem Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht) und ihrer Patrimonialgerichtsbarkeit (Rechtsprechung durch den Grundherrn) ab. Sie bestimmten über die Einsetzung eines Pfarrers oder Vikars und die Zugehörigkeit zur jeweiligen Glaubensgemeinschaft. Johann Fuchs, um 1541 der letzte Geistliche vor der Glaubensspaltung, führte Zeilitzheim möglicherweise der Lehre Luthers zu.

Von der Herrschaft mit der Lohmühle, der Dorfmühle, der Ziegelei, Feldern und Weinbergen beschenkt, entwickelte sich neben dem Pfarrhaus ein Pfarrhof. Diese Schenkungen, als Lehen der evangelischen Kirchengemeinde „zins- und gültpflichtig“ weitergegeben, sicherten der Pfarrei zusätzliche Einkünfte. Im Jahre 1724 entstand dieser Barockbau mit Fachwerk und Walmdach. Bis um 1955 befand sich im Studierzimmer des Pfarrers eine im Fußboden eingelassene Klapptüre mit direktem Zugang in den Gewölbekeller. 1974 wurde die Scheune im Pfarrhof eingerissen. Teile der Stallungen haben sich bis heute erhalten und wurden 2002 als Garage restauriert.

Kirchgaden – Kirchenburg

Kirchgaden ZeilitzheimDie Gadenringanlage mit ihren ehemals 10 Gaden geht in die erste Hälfte des 15. Jh. zurück. Auf dem Fensterbogen eines solchen Vorratshauses war bis um 1975 die Jahreszahl 1427 zu erkennen. Eine Steintafel im Mauerwerk eingelassen trägt neben dem Namen Valte (Valentin) Steinmitz die Jahreszahl 1580. Zusammen mit dem Gemeindeturm, der Friedhofsbefestigung und dem Turm der Pfarrkirche mit seinem über 1 Meter dicken Mauerwerk bildete sie einst die Kirchenburg. Im Mittelstein des Sandsteinbogens der ersten Gade rechts war bis vor einigen Jahren noch die Jahreszahl 1744 erkennbar.

Eine der schönsten Gaden, einst im Besitz der Adelsfamilie der Fuchs v. Bimbach, befindet sich an der Ostseite und hat einen fast turmartigen Aufbau. Erd- und Obergeschoss werden im Fachwerk von einem Fries mit rechteckigen Einkerbungen getrennt. Im Mittelstein des Eingangsportals war bis 1992 noch die Jahreszahl 1787 zu erkennen. In den Holzbalken sind mehrfach versenkte Rautenmuster zu erkennen. Im oberen Teil des Tragbalkens weist ein Wolf als Wappentier auf seinen adeligen Besitzer hin. 1824 wurde der Gemeindeturm mit seinem Eingangstor als Befestigung der Kirchenburg abgetragen.

Als Schutz- und Zufluchtsort angelegt, fanden in kriegerischen Zeiten die Gaden auch als Vorratshäuser Verwendung. 1890 wurde mit Abriss zweier Gaden die Kirchenburg durchbrochen und eine evangelischen Schule errichtet. In der Gade links daneben ist im Mauerwerk ein gotisches Fensterfragment aus der Vorläuferkapelle eingefügt.

Haus der Begegnung (Evang. Gemeindehaus)

An dieser Stelle befand sich ehemals eine spätmittelalterliche Dorfschule. Hier unterrichtete von 1671 – 1720 der bekannte Lehrer Johann Christoph Sandner aus Markneukirchen im Vogtland. Seine Tagebuchaufzeichnungen haben sich bis heute erhalten. Sie erzählen von Begebenheiten im Dorf, von Wein- und Missernten, aber auch von Witterungsverhältnissen und Bürgerschicksalen. Ereignisse aus der näheren und weiteren Umgebung zeichnete er ebenso auf wie Kriege, sowie die kaiserliche, königliche und adelige Politik im Europa seiner Zeit.

Wegen Baufälligkeit und Platzbedarf der ev. Kirchengemeinde wurde das Gebäude 1976 abgerissen und als „Haus der Begegnung“ wieder aufgebaut. An der Nordwand des Hauses befinden sich im Mauerwerk der Gründungsstein der Dorfschule von 1615 sowie der Einweihungsstein zum „Haus der Begegnung“ von 1976. Daneben erinnert eine Gedenktafel an Argula von Grumbach, die als erste evangelische Frau und Publizistin in Bayern gilt. Sie reformierte von hier aus umliegende Gemeinden und pflegte 1530 schriftlichen Kontakt zu Dr. Martin Luther auf der Veste Coburg. Sie ist hier begraben.

Quelle: Ursprüngliche Texte und Recherche: Hilmar Spiegel und Kurt Scheuering.
Veröffentlicht auf www.barockschloss.de 

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